Blogg dein Buch – Und wenn alles ganz furchtbar schiefgeht?
Durch Bloggdeinbuch erhielt ich das Buch ”Und wenn alles ganz furchtbar schiefgeht?“.

Die Autoren Kelly G. Wilson und Troy DuFrene geben den Inhalt ihres Buches im Klappentext wie folgt wieder:
“So sehr wir uns auch vor allen künftigen Katastrophen und Problemen in achtnehmen: Niemals können wir uns voll und ganz davor schützen, dass nicht doch etwas vollkommen daneben geht. Und zwar meistens dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. Dieser Umstand bereitet vielen Menschen Sorgen und die meisten möchten wahrscheinlich ihre Ängste lieber heute als morgen loswerden. Die Autoren beschreiben eine etwas andere Umgangsweise mit Ängsten. Statt sie wegzudrängen, gilt es vielmehr, sie anzunehmen, um dann festzustellen: Man kann besorgt sein und hat dennoch Raum zum Atmen und Leben. Ihr auf der Acceptance und Commitment Therapie (ACT) basierendes Buch versteht sich nicht so sehr als stringenter Therapieleitfaden, sondern will vielmehr ein Begleiter im Umgang mit menschlichem Leiden sein.”

Der Herausgeber des Buches ist der Junfermann Verlag.
Über das Buch:
Das Buch ist kartoniert und hat 128 Seiten. Es ist im Jahr 2011 in der ersten Auflage erschienen.
Das Format ist ungewöhnlich. Es handelt sich nämlich um ein recht großes Buch (17 cm x 24 cm), welches ziemlich dünn ist.
Der Klappenumschlag ist grün. Das finde ich treffend, da man grün als die Farbe der Hoffnung bezeichnet und sie für dieses Thema sicher gut geeignet ist.
Im Buch sind weder Fotos noch Bilder noch andere Darstellungen (Diagramme o. ä.) enthalten. Das Buch kann so nicht durch hübsche Bilder beeindrucken, sondern muss ausschließlich den Text für sich sprechen lassen. Ich bin gespannt.
Das Buch gliedert sich in 9 Kapitel:
- Es könnte ja alles total schiefgehen
- Angst: Form, Funktion und Universalität des Leidens
- Wie ein Fisch auf dem Trockenen: Angst im gegenwärtigen Augenblick
- Erzähl mir deine Geschichte: Defusion
- Komme was wolle: Akzeptanz
- Von Bedeutung: Werte
- Du bist Petrus: Commitment
- Sie sind groß, Sie enthalten Vielheiten: Selbst als Kontext
- Alles könnte immer noch total schiefgehen
Zum Preis von 14,90 EUR kann man das Buch beim Junfermann Verlag bestellen.
Warum das Buch mein Interesse geweckt hat:
Worum geht es in “Und wenn alles ganz furchtbar schiefgeht?” Kurz gesagt: Es geht darum zu lernen wie man mit Ängsten umgeht.
Wikipedia führt über Angst aus: “Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert.”
Angst ansich ist eine Art Schutzmechanismus. So wird in tatsächlichen (oder nur vermeintlichen) Gefahrensituationen ein (Flucht-)Verhalten eingeleitet.
Wohl jeder hat seine eigenen Urängste (beipielsweise die Angst vorm Scheitern, vor Jobverlust, die Sorge um geliebte Menschen, Geldnöte, Krankheit, etc.), die ihn des Nachts öfter mal aus dem Schlaf hochschrecken lassen. (zumindest hoffe ich, dass ich hier nicht die Einzige bin)
Diese Ängste sind meiner Meinung nach nicht immer unbegründet. Wenn sie uns jedoch übermäßig in Beschlag nehmen und wir die Situation momentan sowieso nicht ändern können, dann leidet darunter die Lebensqualität.
Ich habe den Inhalt des Klappentextes so verstanden, dass es darum geht, die Angst “anzunehmen”, d. h. zu akzeptieren dass sie da ist und dass sie vielleicht sogar sinnvoll ist, aber dennoch aufgrunddessen keine Lebensqualität einzubüßen.
Ich habe aus Interesse am Thema Psychologie schon einige Bücher gelesen, die sich mit Themen aus diesem Bereich beschäftigt haben. Manches Mal habe ich tatsächlich neue Impulse oder Sichtweisen gefunden, die ich in meinen Alltag integrieren konnte.
In den meisten Fällen haben mich diese Bücher allerdings kopfschüttelnd zurückgelassen. Vielfach waren die Autoren einfach viel zu sehr von sich überzeugt (nach dem Motto “Ich werde euch alle heilen“). Oft enthielten die Bücher für mich auch keine neuen Ansätze oder befassten sich mit den mich interessierenden Themen einfach viel zu oberflächlich.
Mein Leseeindruck:
Die Einleitung zieht sich mit kleineren Geschichten und einigen (wie ich finde) unpassenden Zitaten in die Länge. Auf Seite 22 heißt es dann endlich “Zum Gebrauch dieses Buches – Naja, lesen Sie es. (…) Nun aber los“.
Auf den Seiten 23 bis 28 werden verschiedene Formen der Angst vorgestellt. Diesen Seiten konnte ich nichts Neues entnehmen. Es wird beispielsweise die Posttraumatische Belastungsstörung oder die Zwangsstörung beschrieben. Leute, die unter diesen Störungen leiden, könnten ihre Erkrankung meiner Meinung nach aber auf keinen Fall mit diesem Buch bekämpfen, sondern sollten sich dringend fachlicher psychologischer Hilfe bedienen.
Ab Seite 28 wird sich dann der komplexen Problematik und der sich daraus ergebenden Ursachen der Angst gewidmet. Hier wird beschrieben, dass sich Angst meist eben nicht in die zuvor erwähnten diagnostischen Angstbilder zuordnen lässt.
Im gesamten Buch gibt es immer mal kurze “Spiele”, in denen man sein eigenes Empfinden während bestimmter Vorgänge oder Gedanken beobachten soll.
Diese Übungen befassen sich meist mit Imaginationen oder Achtsamkeitsübungen. Teilweise finde ich diese Übungen recht sinnlos. Manche erscheinen mir jedoch wert- und sinnvoll.
Es geht hier zusammengefasst meist darum, sich der Angst bewusst zu werden und sie nicht als seinen “Gegner”, sondern einen Teil von sich zu akzeptieren, um dem Gefühl der Angst somit ein wenig die Bedrohung zu nehmen.
Das Buch bedient sich Techniken der ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie).
Beim ACT-Modell hat die Klärung von Werten und Lebenszielen einen großen Stellenwert. Diesem Thema ist auch das komplette 6. Kapitel des Buches gewidmet.
Im 8. Kapitel geht es noch um die große Frage “Wer bin ich?“, was sich meines Erachtens etwas zu weit von dem ursprünglichen Thema entfernt.
Im 9. Kapitel werden einige Teile des Buches noch einmal zusammgenfasst.
Am Ende des Buches finden sich noch hinweise zur weiterführenden Literatur sowie Bibliografie-Hinweise.
Mein Fazit:
In dem Buch befinden sich meiner Meinung nach ein wenig zuviele “Füllsätze” der Autoren, die ich oft als reichlich “inhaltsleer” empfinde.
Es werden auch vielfach Hinweise darauf geben, was einem in den kommenden Kapiteln noch erwartet (was ich beim Weiterlesen ja sowieso feststellen würde).
Einge der Übungen des Buches haben mir gut gefallen und regen zum Nachdenken an (und genau das sollen sie ja auch tun).
Ich konnte nicht mit allen Übungen etwas anfangen, aber das ist ja normal, dass manchen Menschen eine Übung zusagt, mit der ein anderer vielleicht gar nichts anfangen kann.
Das Buch ist mir für ein Fachbuch (oder auch Selbsthilfebuch) etwas zu “flapsig” geschrieben. (Beispiel auf Seite 121 “Naja, ehrlich gesagt sind wir gar nicht so gut im Erteilen von Ratschlägen und Zusammenstellen von Checklisten”).
Ich beurteile das Buch trotz einiger Abstriche insgesamt dennoch als positiv und für Menschen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen wollen, empfehlenswert.
Mir konnte das Buch durch ein paar gut durchdachte Übungen einige neue Denkweisen vermitteln und somit hat es m. E. den Zweck erfüllt.
Man kann von einem Buch nicht erwarten, dass sich allein durch das Lesen etwas im Leben ändert. Man kann aber manchmal Hinweise und Inspriationen mitnehmen, wie man selber dazu beitragen kann, dass sich etwas ändert. Und das hat das Buch geschafft.
Tags: Bloggdeinbuch, Junfermann Verlag, Kelly G. Wilson, Troy Dufrene, Und wenn alles ganz furchtbar schiefgeht?
